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Underdog

Tierpraxis unterm Kirchturm
Underdog-Team
Voruntersuchung

Die mobile Tierarztpraxis unterm Kirchturm.

 

In Düsseldorf, wie in jeder anderen Stadt auch, gibt es nicht nur schöne, sondern auch Schattenseiten. Dazu gehören die Menschen, die weniger Glück in ihrem Leben hatten. Und es gibt sehr viele, die davon betroffen sind. Jeder hat ein anderes Schicksal zu tragen, das ihn dahin gebracht hat, wo er heute steht. Dem „normalen“ Leben durch Alkohol oder Drogen entglitten, haben sie nach und nach alles verloren, was ihnen Halt gibt, sind auf der „Platte“ gelandet und müssen Tag für Tag um ihren Platz, ihr Essen und ihre Habseligkeiten kämpfen. Und obwohl jeder jeden kennt, haben sie doch keine Freunde, vertrauen niemandem, lassen keinen an sich heran. Der einzige Freund, den viele von ihnen haben, ist der „Lebensgefährte“. In den meisten Fällen sind es Hunde. Mit ihnen können sie reden, vertrauen ihnen alles an und ihr „Freund“ ist immer an ihrer Seite und passt auf sie auf. Er gibt ihnen das, was sie brauchen: Liebe, Aufmerksamkeit und Sicherheit. Er ist ein treuer Gefährte, ein Leben lang. Jeder von ihnen möchte, dass es seinem „Begleiter“ gut geht. 

Die Halter tragen eine Verantwortung, die sie sehr ernst nehmen. Doch was ist, wenn der treue Gefährte einmal krank ist? Denn ein Besuch beim Tierarzt kostet Geld. Geld, das sie nicht haben.

Ehrenamtliche Tierärztinnen, ein Tierarzt, Assistenten und eine Streetworkerin setzen sich für diese Tiere ein, behandeln sie und helfen, wo sie nur können. Ob nun eine Impfung ansteht, eine Wurmkur fällig ist, Krallen geschnitten werden müssen oder ein Eingriff ansteht, was immer notwendig ist, wird getan.

Praxismobil
Behandlungstisch

Sie sind „Underdog“, ein Projekt von „fiftyfifty“. Mit Ihrer mobilen Praxis kommen sie alle 14 Tage im Wechsel nach Holthausen und in die Altstadt. Liebevoll und sehr sorgsam kümmern sich die Ärzte und Assistenten um jedes einzelne Tier. Sie geben den Haltern Anweisungen und Tipps zur Behandlung und neue Termine, wenn eine Nachsorge notwendig ist.

Auch die Sachkundeprüfung kann hier gemacht werden. Natürlich alles kostenfrei. Jeder Einzelne, der sein Tier behandeln lässt, ist so unglaublich dankbar für diese gänzlich kostenlose Hilfe, dass er immer wieder kommt.

Da der Zulauf sehr groß ist, entstehen längere Wartenzeiten, die Streetworkerin Julia nutzt, um mit den Haltern ins Gespräch zu kommen. Mit ihrer einfühlsamen, aber auch lustigen Art kommt sie immer an und kann so ein gutes Vertrauensverhältnis aufbauen. Sie erfährt mehr über die einzelnen Schicksale und Sorgen und kann so mit guten Ratschlägen weiterhelfen.

Denn die Streetwork-Beratungsstelle "aXept" und die Armenküche in der Altstadt sind neben anderen Kooperationspartner von Underdog und stehen hier mit Rat und Tat zur Seite.

Ziel dieses Projektes ist es, über das Tier den Menschen zu erreichen und ihm zu helfen. Durch das harte Leben auf der Straße erreicht sie die staatliche Hilfe nicht immer oder wird von ihnen bewusst, zum Teil aus falschem Stolz, nicht angenommen.

Auch deshalb ist Underdog so wichtig. Mittels Offenheit und Einfühlungsvermögen in deren teilweise ganz spezielle Situationen ist es gar nicht so schwer, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Denn in einer lockeren Atmosphäre finden sie einen Draht zu den Obdachlosen.

Sammy
"Ronaldo" und sein Herrchen

So hatten auch wir Gelegenheit, mit dem einen oder anderen zu sprechen.

Eine junge Frau erzählte uns ihre Lebensgeschichte und wie sie zu ihrem Hund „Sammy“ kam und später von den Underdogs erfuhr.

Aufgeschlossen uns gegenüber zeigte sich auch Jürgen, der studiert hatte und sein Hobby, das Kochen, gerne zum Beruf machen würde. Jedoch hat er durch Drogenkonsum alles verloren, befindet sich mittlerweile in einem Methadon-Programm und landete mit seinem Hund „Ronaldo“ auf der Straße.

Genauso wie „St.-Pauli“ mit seinem Herrchen. Diese Beiden sind so viel in der Welt herum gekommen, dass man sie schon als Weltenbummler bezeichnen könnte. Zwei dicke Freunde, die das Angebot der Underdogs schon einige Jahre dankend in Anspruch nehmen.

Neben der medizinischen Versorgung bringen die Underdogs, sofern gespendet, Futter, Decken, Geschirre und Körbchen mit. Die Sachspenden werden genauso gerne angenommen wie auch die tatkräftige Hilfe.

Wartezeit
Gewichtskontrolle
"Wann bin ich dran"?
"Ich zuerst"!
Sachspenden

Wie in einer Tierarztpraxis rufen die Tierhalter zwecks Terminabsprache an. Bei den Underdogs ist das nicht anders. Denn auch hier müssen die Ärzte wissen, wie viele Patienten sie erwarten, was dem Tier fehlt und welche Medikamente gebraucht werden.

Wenn dann die mobile Praxis an dem Treffpunkt vorfährt, warten bereits viele große und kleine Patienten. Während von den Ärzten und Assistenten alles für die Behandlungen vorbereitet wird, werden an die Wartenden Nummern ausgegeben. Zuerst kommen die Kleintiere, wie z.B. Katzen, danach sind die Hunde dran. Und die Herrchen und Frauchen warten geduldig, bis sie aufgerufen werden.

Damit die Hunde auch gewogen werden können, ist eine mobile Waage an Bord. Ist eine intensive Untersuchung oder Behandlung notwendig, wie z.B. eine Zahnsteinentfernung, findet diese auf dem Untersuchungstisch im Mobil statt. Allen Tieren wird die gleiche Zuwendung geschenkt, die ein niedergelassener Tierarzt seinen zahlungskräftigen Patienten gönnt.

Es könnte nun der Gedanke aufkommen: „Ich habe auch wenig Geld zum Leben. Warum kann ich diese Hilfe nicht nutzen?“

Das ist einfach zu beantworten. Die Menschen, die mit ihren Tieren dieses Angebot in Anspruch nehmen dürfen, sind krank, haben keine Wohnung, müssen jeden Tag aufs Neue für Essen und Futter kämpfen, sogar ihren Platz auf der „Platte“ verteidigen.

Die Meisten würden lieber für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Doch wer stellt schon jemanden ein, der irgendwann einmal im Gefängnis war und/oder suchtkrank ist. Und selbst dann, wenn es mit einer Anstellung klappen sollte, steht oft das notwendige Methadon-Programm „im Weg“. Oder es scheitert daran, dass kein fester Wohnsitz vorhanden ist. Ohne Wohnung keine Arbeit - ohne Arbeit keine Wohnung.

Deswegen ist für diese Menschen und ihre Tiere dieses Projekt so überaus wichtig.

Da alle bei den Underdogs ehrenamtlich und in ihrer Freizeit arbeiten, möchten wir hier an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass Spenden (Geld-, Medikamenten- und Sachspenden) immer dringend gebraucht werden.

Wir haben wieder einmal festgestellt, wie wichtig es ist, anderen zu helfen, also für Mensch und Tier ein Herz zu haben, ganz gleich welchen Status sie in der Gesellschaft haben. Wenn jemand keine Wohnung mehr hat und auf der Straße lebt und ein Tier besitzt, dann heißt das nicht, dass er verantwortungslos oder ein „Penner“ ist.

 

Unser Fazit:

In Anbetracht der Tatsache, dass ein solches oder ähnliches Schicksal jeden von uns treffen kann, ist es immer besser zu helfen als zu verurteilen.

 

 

Text: S. Weichsel, A. Jung, M. Kaiser

Bilder: A. Jung, S. Weichsel